Rundbrief Nr. 2                                                          Huntington Beach, December 1999

 

Hi alle zusammen,

 

Jetzt ist es schon über ein Jahr her, dass wir Good Old Germany verlassen haben und es ist unglaublich wie schnell die Zeit vergeht. Wir alle haben uns mittlerweile recht gut hier eingelebt, dank der netten Nachbarschaft, die wir hier gefunden haben.

Die Kinder haben ihr erstes Jahr in der Schule gut überstanden und haben sogar recht ordentliche Zeugnisse bekommen. Der Abschlußtest dauert hier fast eine ganze Woche und ist fuer ganz Californien gleich. Natürlich, wie sollte es anders sein völlig computerized, d.h. multiple choice und Computerauswertung. Rebecca hat die Schule gewechselt und hat jetzt Kursverfahren. Marc ist nicht so sehr begeistert von der Schule im allgemeinen und spielt lieber mit Freunden als an Hausaufgaben zu denken. Aber beide sprechen jezt schon recht gut english. Obwohl wir meistens deutsch zu Hause sprechen, erwische ich Rebecca schon mal des oftern mit Sheila in english … oder soll ich amerikanisch( Rebecca) sagen, daß trifft wohl besser zu. Der Dialekt wird wohl nicht mehr zu ändern sein.

Apropos Sprache, nachdem wir, Marc, Rebecca und Andreas sich recht gut an das amerikanisch gewöhnt haben scheint unser „native speaker“ des öfteren größere Schwierigkeiten zu haben, sich zu verständigen. Speziell das spanisch  oder vietnamesisch- englisch Mischmasch bringt Sheila beim einkaufen doch öfters auf die Palme. Das ging schon soweit, daß wir beim Autokauf das Gespräch abbrechen mußten und einen englisch sprechenden Verkaeufer  verlangt haben. ..Das war bei Chrysler und deshalb haben wir einen Toyota gekauft. Der verkaeufer.war schonmal in Saarbruecken,.und ich dachte immer, daß ich hier die Problem mit der Sprache hätte...

Es gab einen kleinen Aufstand in den Fastfood Lokal namens „Wiener Schnitzel“ wo es nichtsdergleichen  gibt sondern Hotdogs in alle möglichen varienten. Da arbeiten nur Mexicaner. Ich,  Sheila war da zum Lunch mit vier Kindern und habe mich höllisch aufgeregt das Ich das falsche essen bekommen hatten. Habe ich auf keinen Fall bestellt!!! Bis Nachbars Maedchen mich ans Hemd gezogen hat und alles aufgeklaert hat. Der Angestellte hat was unverstaendliches  zu mir gesagt ,Ich unschuldig genickt und schon hatten wir den Salat er Hotdogs.

Obwohl Sheila nicht arbeitet ist sie meistens sehr gut beschäftigt. Gymnasik, seit kurzem auch Golf und ist sie noch in diesem Frauen-Club “Daughters of the British Empire”. Ich würde Ihn eher „Grufties of the BE“ nennen, naja, da halte ich mich raus. Und dann werden die Kinder auch immer anspruchsvoller. Freunde, Boyscouts-Meetings, Tanzschule für Rebecca, und Marc geht jetzt für ein Jahr zum Kommunionsunterricht. Es ist halt immer etwas los.Ab Januar Baseball. Marcs Geburtag in Juni war einfach, 10 Jungs mit Badehose und Handtuch ab in den Pool, 10 Mütter mit eisgekühlte Chardonnay ab unter den Sonnenschirm.

 

Der Sommer war schon recht aufregend. Ich glaube so viel Besuch hatten wir noch nie hintereinander.  Unser Haus war wie ein Hotel. Ich glaube wir hatten 12 Wochen lang durchgehend Gäste. Aber es war sehr schön, so viele Gesichter wieder zu sehen. Als erstes kam Lynne+Jürgen mit Familie aus Australien, dann Gaby mit Kindern, dann Sheila’s Schwester Clare+Familie, Sebastian, Felicitas und Anneliese und am Schluß etwas später Christoph (mein Studienkollege) und Familie.  Und wir freuen uns natürlich auf jeden Besuch, den er bringt uns ein bißchen alte Heimat zurück. Und es gibt immer viel zu erzählen. Nachdem wir (ich 1x und Sheila 2x) einige Touren nach Las Vegas, Grand Canyon, Death Valley etc. unternommen hatten, und das mit viel Fahrerei verbunden war, haben wir Anfang September 1 Woche in Cabo St.Lucas, Mexiko verbracht mit Anneliese aus Deutschland. Das war wirklich sehr nett und erholsam. Ich war mit den Kinder auf Hochseefischen und wir haben 15 mittel-große Brocken (Thunfisch, Mahi-Mahi) rausgeholt. Das war wirklich Arbeit und ich dachte es würde ein Relax-trip. .Der Rest der Woche gab es gebratenen Mahi Mahi und Thunfisch Salat a la Anneliese. Naja, der nächste Besuch von Sheila’s ehemaligen Arbeitskolleginnen von Lufthansa ist bereits angedroht für Januar (Magret und Uli).

 

Und dann habe ich mir ein kleines Spielzeug zugelegt. Ein Bayliner 20,5 Fuß Powerboat, Hat mehr PS als mein Auto und läuft wie der Teufel. Den Kindern macht’s sehr viel Spaß und ich übe fleißig Wasserski (nach 3 Anläufen habe ich’s – dank Jochen‘s Tip -  auch auf einem Ski geschafft). Nur der Wasserstart mit 1 Ski scheint wirklich schwer zu sein. – Next challenge!!!

Zu Rebecca's Geburtstag haben wir uns die Weihnachtslichter im Huntington Harbour angeschaut. Andreas mit 7 kichernden Mädels in einem Boot. Sheila mit Freunden und Glühwein im anderen Boot!

Das ist wirklich ein Erlebnis…  apropos Lichter, die durften dieses Jahr natürlich nicht fehlen. Also haben wir uns standesgemäß Lichterketten (so called Icicle Lights) zugelegt und letzte Woche am Haus montiert. Sieht ganz nett aus.... Aber Santa Claus und Rentiere kommen mir nicht in den Garten.... und auch kein künstlicher Schnee...  so manche übertreiben es wirklich. Die brauchen ein ganzes Kraftwerke für all die Beleuchtung, die sie an Haus + Garten hängen.

 

Da wir ja zu Thanksgiving keine Verwandten besuchten konnten/mußten, haben wir mit einem befreundeten Kollegen-Ehepaar (auch gerade aus England übergesiedelt) einen Kurzurlaub mit Boot am Lake Havasu gemacht (Rainer, Uschi – erinnert ihr euch noch – London Bridge). Es war sehr schön, noch recht warm und hat mit den Booten viel Spaß gemacht. Übrigens Thanksgiving vor einem Jahr war unser letzter Trip zurück nach Deutschland, um die Visa Papiere in der Botschaft in Frankfurt abzuholen. Das war auch der letzte Besuch mit den Kindern. Die haben doch schon ab und zu Heimweh... speziell wenn Post von Freunden und Verwandten kommt. Und ich glaube bald müssen wir mal wieder einen Besuch in Deutschland mit der ganzen Familie planen.

Mittlerweile haben wir auch unsere Greencard beantragt. Vor kurzem haben wir die letzten Papiere eingereicht und jetzt dauert es noch ca. 1 Jahr (oder auch ein bißchen länger.. ) bis alles durch ist.  Alles im allem ging es im Vergleich zum Visa –Antrag jedoch recht schnell.

Apropos Papiere, noch eine kleine Story zu unserem Führerschein....“the most important plastic card for an American“.  Nach wir uns beide vor genau 1 Jahr zum Test angemeldet hatten und auch nach kleinen Hürden bestanden hatten, teilte man uns mit, daß wir erst eine „Temporary Driver License“ erhalten und in ca 2-3 Monaten den Richtigen. Naja die 3 Monate vergingen, die vorlaufige DL lief ab und man schickte uns gleich einen weitere, provisorische DL nach telefonisch Rückfrage mit der Begründung, irgendwelche Papiere von der INS(Einwanderungsbehörde) würden noch fehlen. Das ganze wiederholte sich dann noch 2 mal, bis es mir zu bunt wurde und ich Sheila bat, dort doch mal etwas hartnäckiger nachzufragen.  Die Standardantwort war wieder „ Papiere von INS fehlen“. Erst nachdem Sheila den Supervisor verlangte, meinte der lapidar „Ja, ihr Mann hat das Lande verlassen“. Worauf Sheila antwortet: „Interessant, der sitzt mir aber gerade gegenüber am Kaffeetisch“. Worauf der Gute wohl etwas sprachlos war. Es  wird wohl der Behörde gemeldet, wenn man das Land verlaßt, aber nicht, wenn man zurück kommt. Und ich war wohl mehr als einmal außerhalb USA unterwegs. Das schlimme ist, keiner denkt mit – alle verlassen sich auf den Computer. Die DL hatten wir dann in 2 Wochen.

Und damit waren wir auch „Kreditwürdig“.  Das wußten wir vorher auch nicht, wie das so richtig zusammen hängt.  Anders als in Germany/Europe hängt deine Kreditfähigkeit hier nicht vom Einkommen sondern von deiner Credit-History ab. Und die wiederum maßgeblich von Krediten, die dir gewährt wurden, aber in Amerika und der Anzahl an Kreditkarten, die du bekommst. Aber wie einen Kredit oder Kreditkarte bekommen, wenn du keine Credit-History hast..hm...

Und mit beiden hatten wir erheblich Schwierigkeiten, weil dein Leben vor USA nicht zählt – du hast einfach nicht existiert. Wir haben  nach ca. 1 Jahr versucht bei unserer Bank (BoAmerica-wo auch mein Gehalt eingeht) eine Kreditkarte zu beantragen, mit dem Ergebnis --- unser Antrag wurde mangels Credit-History abgelehnt. Der nette Kerl dort teilte uns mit, daß könne noch Jahre dauern. Und dann kam folgendes mit der Post.

Sheila, die ihren Führeschein vor mir bekam (aber erst 1 Monat nach mir gemacht hatte..komisch) und nicht arbeitet, erhielt gleich 3 „preapproved-vorgenehmigte“ Kreditkartenanträge. Einer davon von unserer Bank, die uns gerade den Antrag abgelehnt hatte. That’s life in US,  hat halt nichts mit Logik zu tun. Hier läuft halt alles per Computer.  Ira, mein Stellvertreter in UGS hat eine Kreditkarte für seine Katze beantragt und auch bekommen......leicht schizophren. Manchmal wundert man sich schon, wie die Amis es zum Mond geschafft haben.

Anderseits gibt es auch viele Sachen, die wir genießen. Der Service ist halt wirklich gut. Und du kannst hier ohne Ausnahme alles zurückbringen, ohne daß dich jemand schief anschaut. Wenn mehr als 2 in der Schlange stehen, machen sie hier eine neue Kasse auf und packen dir noch alles ein und wenn du’s willst, tragen sie dir die Sachen noch ins Auto (speziell in Supermarkt).

Aber auch unsere Nachbarn sind sehr nett.  Die Kinder haben mittlerweile Ihr festen Freunde und Marc ist oftmals den ganzen Nachmittag weg zum spielen mit seinen Freunden.

Wir sind wohl die einzige Familie in California ohne Wäschetrockner. Ich denke die Sonne tut‘s auch. Und auch die einzige Familie in California mit nur einen Auto. Das ist alle unbegreiflich, wo hier sogar 16 jährlicher mit Auto zur Schule fahren. Andreas  hat ein Fahrgemeinschaft und es klappt fast immer sehr gut bis auf den letzten Tag vor den Weihnachtsferien.....Sheila macht gerade eine kleinen Fahrradtour am Strand mit der Nachbarin ,kommt um 13 Uhr nach Hause und findet die Haustür weit offen  Drei Geschäftsmänner in Anzug und Krawatte halten ein Meeting ab vor dem Weihnachts-baum. Marc hatte  in der Schule Bauchweh, und da die Schule Angst hat vor eine Klage, lassen sie die Kinder keinen 10 Minuten in Office zur Beobachtung sitzen sondern rufen sofort die Eltern . Sheila nicht zu Hause .... Andreas wurde aus einem Meeting geholt, Bob, Carpool-Kollege und Freund gebeten  zur Schule zufahren, um Marc abzuholen, der 10 Minuten später zum spielen mit Freunden abrauschte!! That’s fun!!!

Weihnachten verbringen wir gemütlich hier zu Hause mit Turkeydinner (das ist englisch – hier wird Turkey zu Thanksgiving gegessen) mit Sheila’s Schwester Pauline und Mann.

Nach den Feiertagen werden wird dann für 1-2 Tage zum Skifahren nach Big Bear fahren (nur 2 Stunden entfernt – siehe auch Bild vom letzten April).

Silvester feiern wir ein Art Straßenfest. Wir gehen von Haus zu Haus und feiern und essen. Jeder ist für einen Gang zuständig. Wir haben das große Los gezogen und müssen den Hauptgang ausrichten (ich habe mir rheinischen Sauerbraten mit Rotkohl und Knödeln gewünscht – ich hoffe Sheila kriegt das hin) Das gibt eine Überraschung fuer all die deutsch-stämmigen Nachbarn....

 

So, nun wünsche wir euch zum Ende dieses Jahrtausends (hört sich schon merkwürdig an...oder) alles, alles Gute  (ihr wißt ja, pünktlich am 31.12.1999, 24:00 werden eure Bankkontenbestände automatisch an die eingewanderte russische Mafia nach Californien übertragen – kleiner Y2K-Bug - haha) eine besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue „Millenium“ – whatever it will bring us..... 

                                                                                                Have a nice day!

 

Eure Saar-Family  from Calfiornia

 

Andreas, Sheila, Marc und Rebecca