The Saars from California
Normalerweise
werden Rundbriefe dieser Art vor
Weihnachten verschickt, aber zu viel Parties, Shopping und Hektik machen dies
fuer jedenfalls unmoeglich.Dem Brauch gehorsam mussten ganz viele Lichter
aufhaengen und beleuchtete Rentiere im Garten aufstellen.u.s.w.
Dieses Jahr waren
wir auf einer Christmas Boat-Parade-Party im Huntington Harbor eingeladen. Das
Haus liegt direkt an einem der groesseren Kanale, ein Eckgrundstueck. Das
Ehepaar, er besitzt gleich 2 Autovertretungen, hat schon ein recht grossen Haus
in Hafen, aber nicht in bevorzugter Lage, um die Parade zu beobachten. Deswegen
wird umgezogen. Man reisst das etwas
altmodische, gegen Ende der 60ziger Jahre gebaute Haus auf dem neuen
Grundstueck ab und baut einfach ein neues! Mediteranean Style, ist im Moment
ganz in. Ein paar Millionen mehr oder
weniger spielt hier kein Rolle. Dazu besitzten sie noch ein 54 Fuss Yacht – nur
fuer Partytrips im Hafen. Sie nennen es Texas Dinghy (Bootchen), da sie aus
Texas kommt. Auf der Party haben Elvis und Kenny Rogers live gesungen. --- Zum Gegensatz: ein Pastor veteilt zu
Weihnachten 10 Dollar Scheine an Hilfsbedurftige in L.A. und die Schlange
reisst nicht ab. Das zum Unterschied
zwischen arm und reich.
Ansonsten fallen uns die Abnormalitaeten hier in
Amerika nicht mehr so auf. Man gewoehnt sich an vieles. Wir feiern jetzt schon das 5. Weihnachten
hier in Californien. Sheila meinte schon, es gibt ja gar nichts grossartiges/seltsames/lustiges
zu berichten –(wollte sich wohl vorm Brief schreiben druecken) und auf der
Christmas Eve Party meinte eine unserer Nachbarinnen,“ vielleicht habt ihr euch
schon an Amerika und uns gewoehnt und es fallt euch nicht mehr so auf.“.
Hoffentlich nicht, wir werden doch wohl keine Amis? No - never!!!
Eins hat sich
nicht veraendert, seit wir hier sind.
Das Wetter!! Wir haben wieder
herrlichen Sonnenschein und es ist so warm, das man tagsueber in Shorts und T-Shirt rumlaufen kann. Am
Neujahrstag 88f(29c). Nur das Wasser zum Schwimmen ist ein bisschen zu kalt.
Was Marc und Andreas nicht daran
hindert, Wasserski fahren zu wollen (im wetsuit).
Heute morgen war unser Haus „TP’ed - toilet papered“
. Ein kleiner Spass der Jugendlichen, die
wohl zu viel Toilettenpapier uebrig haben. Naja sie haben sich viel Muehe gegen
und das ganze Haus mit Garten weiss eingehuellt, wie der Reichstag damals. Auf
dem Rasen sah es ein bisschen aus wie
Schnee. Schon das zweite Mal, „gar nicht mehr aufregend“ sagt Sheila. Heisst „Holzauge sei wachsam“ – Rebecca wird
so langsam erwachsen.
Bei den Kinder
hat sich einiges geandert. Beide haben die
Schule gewechselt. Marc ist jetzt in der Mittelschule und Rebecca ist in
die High School gewechselt. Das mit der HS war schon eine kleine
Herausforderung. Zuerst bekam sie nicht
die Zusage fuer die bevorzuegte High School.
Es war ein krasser Fall von Rassendiskriminierung und wir waren die
Opfer. Es gab zu wenig „Weisse“ in dem
Schuldistrikt, zu dem wir gehoeren. Und Rebecca sollte gefaelligst da bleiben,
um das Gesamtbild auf zuhellen. Und es gab zu wenig Minderheiten in der uns am
nahesten liegneden Huntington Beach
H.S. (Latinos, Asiaten). Alle Freundinnen von Rebecca und unser direkte
Nachbarn bekamen die Zusage und somit waeren Carpool, Sport, Ausfluege, Clubs,
Taenze u.s.w einfach sehr viel
schwieriger geworden. Gluecklicherweise hatte schon ein Ehepaar vor 2 Jahren
ein Klage begonnen und wir haben per Zufall von einem localen Reporter davon
gehoert. Es ist illegal ein Schulantrag abzulehnen wegen Rasse. Duh!!! Es ist
schon seit den Sechzigern illegal aber die H.B School District hatte sich immer
heraus geredet. Der Process im Sommer ist dann zu unseren Gunsten entschieden
worden (auf State level). Wir hatten kein Anwalt aber Sheila hatte Interviews
an Zeitungen, Radio und Fernsehreporter gegeben. Rebecca war dann sogar auf
Seite 1 des O.C. Register mit einem Interview. Das hat wohl geholfen und der
Wechsel zu Huntington High wurde genehmigt. ..
High School ist
doch schon viel anders, mehr wie Uni in Deutschland. Kurse und Scheine und
Punkte – und viel zu viel Sport. Gut
dass sie Wert auf Sport legen, weil 60
prozent der Amerikaner krankhaft uebergewichtig sind, aber man muss es ja nicht
gleich uebertreiben. Das ist schon wie
beim Profisport. Jeden Tage 2-3 Stunden Training und am Wochenende Spiele.
Naturlich kriegen die allerbeste Sportler ganz leicht ein Platz und oft ein
Stipendium an den besten Unis, auch wenn sie nicht mal 2 + 2 zusammen zaehlen
konnen oder wissen wo Afganistan liegt. Fremdsprachen sind auch kein Plicht an
der Highschool. Mann kann den Abschluss auch ohne 2 Fremdsprache machen und
bekommt das High School Diplom, vergleichbar mit Abitur. Unglaublich, oder –
Sprechen ja alle amerikanisch, oder!!!. Geography ist narurlich auch kein
Plicht .Deshalb sind die Amerikaner oft so weltfremd. Rebeccas Freundin sagte
einmal ganz unschuldig „Ich brauche kein Reisepass. Ich Bin Amerikaner.“ Duh!!
„ Aber wenn Du ins Ausland willst, brauchst Du einen,“ sagten wir. “ Ich kann
aber nach New York und das ist ganz weit weg,“ sagte sie. Uns fehlten die
Woerte. Daraufhin haben Rebecca und ich ein Pass fuer sie gebastelt. Mit ein
Bild vom Barbie als Passbild und Stempeln von
Hollywood, Disneyland, New York, Beverly Hills und verschieden Shopping
Malls, wie Laender Stempeln. Weiss nicht ob sie den Spass so ganz verstanden
hat???
Naja, da wir nicht wussten, dass man sich
schon in den. Sommerferien fuer den Sport anmelden muss und auch trainieren
muss, wir in Europe waren, konnte Becci der Tennismannschaft nicht beitreten.
Sie hat trotzdem 3x Woche P.E (Physical Education) – womit sie und wir jetzt
auch ganz froh sind. So haben wir die Wocheneden fur uns fuer Ausfluge
u.s.w. Naturlich nur wenn Marc gerade
kein Baseball oder Fussball hat....... Ubrigens ist High School Sport nicht umsonst. Aus Budget grunden zog die Stadt
das Geld for Sportprogramme ab und so wird dass von den Eltern und “Fund
raiser“, wie Autos waschen, Plaetzchen backen u. verkaufen, oder Schokolade und
Zeitung Abos verkaufen gesammelt (die Drueckerkolonnen in Deutschland sind
nichts gegen die School Kids und ihre
Muttis). Jeder Sport kostet ein paar hundert Dollar...3. Semester , 3x mal
zahlen ...Meine Freundin Val aus England
hat 2 Jungs, die Fussball spielen . Teuerer Spass!. Um die kosten zu
mindern, muss Val (freiwillig?)einmal im Monat ein Schicht BINGO !! Schreck!! fuer die gambling
Grannies (Omas) abarbeiten. (dazu reden uns die Ehemaenner ins Gewissen, denken wir gehen nur shoppen, Strandspaziergaenge,
radfahren, fernseh gucken und mit den Nachbarfrauen zum Sektfruehstueck
zusammenkommen. Stimmt gar nicht!!! Hier ist es Mittagessen. In America gehen
die Damen zum Lunch, nicht zum Fruehstuecken – too early. Und am liebsten zum
Mexicaner mit Margaritas. Wir nehmen immer brav unser Coupons mit und kriegen
oft halben Preis oder 2 fuer 1. Wir sparen doch......
Zu dem Bingo
kommen immer Busladungen von alteren Herrschaften abends in eine Turnhalle,
damit sie rauchen und trinken koennen (hier in California!!!) und dann ran ans
zocken. Meistens sind sie rauh, laut, ungeduldig und schlecht gelaunt. Halten
die armen Muetter ganz schon auf Trab.
Denkt an Granny Clampert von Beverly Hillbillies oder Else Kling –
Lindenstrasse. Val hat am Abend davor Albtraume und Magenschmerzen. Gott sei dank habe ich mir das bis jetzt
erspart.
Marci betreibt die Schule mit Minimalaufwand. Aber das ist hier schon viel – er hat
naemlich in allen Fachern „A“ bekommen,
was ich wiederum nicht verstehen kann???
Mal gespannt, ob er dass durchhaelt fuer den Rest des Jahres.
Damit beide die
Deutsche Sprache nicht verlernen, haben wir sie fuer Samstags (9-12:00) bei der
Deutsche Schule angemeldet. Damit waren
sie zwar am Anfang garnicht einverstanden und protestierten heftig, aber jetzt
hat sich das alles gelegt und macht sogar Spass. Speziell Marc braucht es – er
war so klein als wir hierher kamen.
Dafuer ist er im Sport gross dabei. Fruehjahr Baseball – sein
Lieblingssport und im Herbst Soccer
(Fussball). Da wir (Sheila und ich) mittlerweile auch so einigermassen
durchblicken, beim Baseball, werden die Spiele auch intersanter. Ab und zu
gehen wir auch mal zu einem Ligaspiel in eines der grossen Stadien. Anaheim
Angels sind Marc’s Favoriten. Nur, das
das Spiel ueber 3 Stunden dauert, mit den standigen Unterbrechungen fuer
Werbung, ist schon azent. Deswegen ist
das bei den Amis immer mit Essen verbunden. Staendig laufen die Leute rein und
raus und kommen mit Wagenladungen ueberteureten Hotdogs, Burgers, Popkorn oder
Erdnuessen etc zurueck. Wir haben uns
sogar die „World Champignonships“
angeschaut, da die AA’s ins Endfinale gekommen(nicht 1 Spiel sondern 7)
und auch gewonnen haben. Apropo World Champigonship - es spielen nur
Teams aus den USA und Canada mit, aber das sehen die Amis nicht so eng. „We are
the World“!!! Gibt es was anderes?
Gereist sind wir
dieses Jahr schon ein bisschen, deswegen musste Sheila mit ihren Hawaii-Trip
zum Jahresende zuruckstecken.(Ich wollte dieses staedige kochen/ essen/
trinken/ einkaufen und auf Party gehen aus dem Weg gehen!!!) Wird sie mir(A)
wohl fuer immer vorhalten...
Januar: Big Bear – Ski laufen
Maerz: Arizona, New Mexico, Utah -
Viel natur, Canyons, Monument Valley (
John Wayne lasst grussen) bis zum Ski fahren in Colorado - 2200 miles mit unserem Tahoe – aber es hat
sich gelohnt.
Sommer: Deutschland, England und Wales – hat uns
allen sehr gefallen. Nochmals vielen Dank an alle, bei den wir untergekommen
sind und sorry and die, die wir nicht besuchen konnten – war einfach zu kurz...
Thanks
Giving: Lake Havasu und Grand Canyon
mit Boot. Da die wenigsten hier in der Lage sind ein komplettes Essen zu
zubereiten, gibt es hier nicht nur
Burger und Hotdogs zum mitnehmen sonden auch komplette Festtagsmenue, fertig
gekocht, zum warmmachen. Und wer sind wir, dass wir das nicht mal
versuchen. Also haben wir fuer
Thanksgiving ein 6kg Truthahn, Kartoffeln, Stuffing(Fuellung), Preiselbeen,
Gemuese und Bratensosse fertig gekocht, bei Ralphs (Supermarkt) gekauft, nach
Lake Havasu (Arizona)im Kuehler mitgenommen und abends in der Ferienwohnung
warm gemacht und mit einem guten Saar Wein verspeist. Feiertagsmenu fuer 8-10 Leute, schlappe $35.00. Weinachten habe ich nachgegeben und selbst gekocht.
Von der Arbeit
gibt es diese Jahr nichts berauschendes zu berichten –es war kein
Glanzjahr. EDS hat, wie die meistens
grossen Konzerne ein derbes Absacken des Aktienpreises hinnehmen muessen, was
natuerlich meine Stockoptions ziemlich wertlos macht. Wir hatten 2
Entlassungsrunden, was natuerlich schon ganz schoen aufs Gemuet schlaegt.
Unsere Gruppe hatte es auch ziemlich hart getroffen, und es ist nicht immer
leicht, den Rest dann zu noch mehr Arbeit zu motivieren. Speziell, die Form wie
dass hier in Amerika ablauft, ist fuer die Mitarbeiter fast unmenschlich. Du wirst praktisch an selben Tag gegangen
(Id abgenommen, email addresse gesperrt, etc, Schreibtisch wird abgeraumt) und
man erhaelt noch 2 Wochen Gehalt fuer unter 5 Jahren und 4 Wochen fuer mehr als
5 Jahre Betriebszugehoerigkeit. Bei uns
hat es einen Manager mit knappt 20 Jahren bei EDS erwischt. Er konnte sich noch
nicht mal verabschieden. „Hire and
fire“ laesst gruessen. Naja, November und Dezember scheinen jetzt doch einen
Aufwartstrend an. Hoffentlich haelt es an.
Nun etwas erfreuliches: Saar Wines wurde dieses Jahr mit 2 mal Gold
und einmal Silber ausgezeichnetim L.A. County Fair. Vielleicht sollte ich doch
ins Weinbusiness ueberwechseln. Der
neue Wein ist schon im Fass. Dieses
Jahr gibts zur Abwechselung mal etwas anderes: 1 Fass mit Shiraz und eins mit Sangiovese (Chinati). Wir sind schon sehr gespannt. Nur irgendwie
konnen wir nicht viel davon behalten. Es weisst inzwischen jeder, das das kein
Spielhaus ist im Garten ist und die Nachbarn freuen sich, dass sie nicht immer
zum „Liqour Store“ fahren mussen.
Nun faellt mir
nicht mehr allzuviel ein. Vielleicht noch eine kleine Anekotede zum Schluss.
Ich(Sheila) wollte zu Christmas Eve (Heilig abend) einmal in die Cristal
Cathedral (Grosse Kirche aus Glas und Metal, nur von Spenden gebaut). Man machte hier in den local Zeitungen mit
ganzseitigen Anzeigen fuer den Service (7 mal alle eineinhalb Stunden) an
Heilighabend aufmerksam!! Nun, wir
wollten in die Show, err Service um 16:30, kamen aber ein paar Minuten zu spaet
– fuer micht kein Problem –dacht ich. Falsch gedacht. Als wir ankamen stand
schon eine Schlange von ca 200 Leuten um die Kirche. Wir stellen uns auch brav
an, da wir dachten, das die 16:30 Messe noch nicht angefangen hatte. Wieder
falsch – die standen schon fuer den 18:00 Service an. Hiess – wir mussten ca 1
Stunde warten, bis wir dann endlich in die Kirche kamen (haette ich auch nie im
Leben dedacht, dass ich einmal 1 Stunde anstehe, um in eine Kirche zu kommen).
Aber warum eigentlich nicht? Wir haben schon ueber 1 Stunde fuer Space Mountain
(Disneyland) angestanden Aber
letztendlich hatte es sich gelohnt. Zwei Chore, drei Solisten, viel
Weihnachtlieder (incl. Stille Nacht) und Ansprachen von unserem Presidenten,
Georg W. Bush auf Sony Grossbildschirm.
Jeder hat eine Kerze bekommen (plastic, battery betrieben) und am Schluss hat
es geschneit, IN die Kirche. Das ganze per TV weltweit ubertragen. Christmas
auf amerikanisch!!! Aber man muss es mal mitgemacht haben.
So, jetzt
wuenschen wir allen ein gutes Neue Jahr, viel Gesundheit und Erfolg in 2003 und
Ihr wiesst ja, jeder ist herzlich willkommen in der Fieldbury Lane in
Huntington Beach, California.
The Saar Family
Zum Schluss:
L.A. ist ja
Partnerstadt mit Berlin. Wir hatten
eine Einladung von Lufthansa zum 40zig jaehrigen Bestehen der Partnerschaft.
Das ganze fand in einer grossen Aula der Universitaet von L.A. statt. Naturlich waren viele Botschafter, deutsch
Schauspieler und der Burgermeister von Berlin da. Der hat sich mit seiner Rede
in English nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Davon abgesehen, dass wohl jeder
wusste, dass er schwul ist. Aber nach
dem Offiziellen spielte dann die Max Raabe Band von Palast Theater in Berlin Lieder aus den 30ziger Jahren. Das
war schon nicht schlecht. Hat sich gelohnt....