Christmas Rundbrief Nr.5   Dezember 2002                Huntington Beach, Ca

 

                        The Saars  from  California

 

Normalerweise werden Rundbriefe dieser Art  vor Weihnachten verschickt, aber zu viel Parties, Shopping und Hektik machen dies fuer jedenfalls unmoeglich.Dem Brauch gehorsam mussten ganz viele Lichter aufhaengen und beleuchtete Rentiere im Garten aufstellen.u.s.w.

Dieses Jahr waren wir auf einer Christmas Boat-Parade-Party im Huntington Harbor eingeladen. Das Haus liegt direkt an einem der groesseren Kanale, ein Eckgrundstueck. Das Ehepaar, er besitzt gleich 2 Autovertretungen, hat schon ein recht grossen Haus in Hafen, aber nicht in bevorzugter Lage, um die Parade zu beobachten. Deswegen wird  umgezogen. Man reisst das etwas altmodische, gegen Ende der 60ziger Jahre gebaute Haus auf dem neuen Grundstueck ab und baut einfach ein neues! Mediteranean Style, ist im Moment ganz in.  Ein paar Millionen mehr oder weniger spielt hier kein Rolle. Dazu besitzten sie noch ein 54 Fuss Yacht – nur fuer Partytrips im Hafen. Sie nennen es Texas Dinghy (Bootchen), da sie aus Texas kommt. Auf der Party haben Elvis und Kenny Rogers live gesungen.  --- Zum Gegensatz: ein Pastor veteilt zu Weihnachten 10 Dollar Scheine an Hilfsbedurftige in L.A. und die Schlange reisst nicht ab.  Das zum Unterschied zwischen arm und reich.

 

Ansonsten  fallen uns die Abnormalitaeten hier in Amerika nicht mehr so auf. Man gewoehnt sich an vieles.  Wir feiern jetzt schon das 5. Weihnachten hier in Californien. Sheila meinte schon, es gibt ja gar nichts grossartiges/seltsames/lustiges zu berichten –(wollte sich wohl vorm Brief schreiben druecken) und auf der Christmas Eve Party meinte eine unserer Nachbarinnen,“ vielleicht habt ihr euch schon an Amerika und uns gewoehnt und es fallt euch nicht mehr so auf.“. Hoffentlich nicht, wir werden doch wohl keine Amis? No - never!!!

Eins hat sich nicht veraendert, seit wir hier sind.  Das Wetter!!  Wir haben wieder herrlichen Sonnenschein und es ist so warm, das man tagsueber  in Shorts und T-Shirt rumlaufen kann. Am Neujahrstag 88f(29c). Nur das Wasser zum Schwimmen ist ein bisschen zu kalt. Was  Marc und Andreas nicht daran hindert, Wasserski fahren zu wollen (im wetsuit).

 

Heute morgen  war unser Haus „TP’ed - toilet papered“ .  Ein kleiner Spass der Jugendlichen, die wohl zu viel Toilettenpapier uebrig haben. Naja sie haben sich viel Muehe gegen und das ganze Haus mit Garten weiss eingehuellt, wie der Reichstag damals. Auf dem  Rasen sah es ein bisschen aus wie Schnee. Schon das zweite Mal, „gar nicht mehr aufregend“ sagt Sheila.  Heisst „Holzauge sei wachsam“ – Rebecca wird so langsam erwachsen.

Bei den Kinder hat sich einiges geandert. Beide haben die  Schule gewechselt. Marc ist jetzt in der Mittelschule und Rebecca ist in die High School gewechselt. Das mit der HS war schon eine kleine Herausforderung.  Zuerst bekam sie nicht die Zusage fuer die bevorzuegte High School.  Es war ein krasser Fall von Rassendiskriminierung und wir waren die Opfer.  Es gab zu wenig „Weisse“ in dem Schuldistrikt, zu dem wir gehoeren. Und Rebecca sollte gefaelligst da bleiben, um das Gesamtbild auf zuhellen. Und es gab zu wenig Minderheiten in der uns am nahesten liegneden  Huntington Beach H.S. (Latinos, Asiaten). Alle Freundinnen von Rebecca und unser direkte Nachbarn bekamen die Zusage und somit waeren Carpool, Sport, Ausfluege, Clubs, Taenze u.s.w  einfach sehr viel schwieriger geworden. Gluecklicherweise hatte schon ein Ehepaar vor 2 Jahren ein Klage begonnen und wir haben per Zufall von einem localen Reporter davon gehoert. Es ist illegal ein Schulantrag abzulehnen wegen Rasse. Duh!!! Es ist schon seit den Sechzigern illegal aber die H.B School District hatte sich immer heraus geredet. Der Process im Sommer ist dann zu unseren Gunsten entschieden worden (auf State level). Wir hatten kein Anwalt aber Sheila hatte Interviews an Zeitungen, Radio und Fernsehreporter gegeben. Rebecca war dann sogar auf Seite 1 des O.C. Register mit einem Interview. Das hat wohl geholfen und der Wechsel zu Huntington High wurde genehmigt. ..

High School ist doch schon viel anders, mehr wie Uni in Deutschland. Kurse und Scheine und Punkte – und viel zu viel Sport.  Gut dass sie Wert auf  Sport legen, weil 60 prozent der Amerikaner krankhaft uebergewichtig sind, aber man muss es ja nicht gleich uebertreiben.  Das ist schon wie beim Profisport. Jeden Tage 2-3 Stunden Training und am Wochenende Spiele. Naturlich kriegen die allerbeste Sportler ganz leicht ein Platz und oft ein Stipendium an den besten Unis, auch wenn sie nicht mal 2 + 2 zusammen zaehlen konnen oder wissen wo Afganistan liegt. Fremdsprachen sind auch kein Plicht an der Highschool. Mann kann den Abschluss auch ohne 2 Fremdsprache machen und bekommt das High School Diplom, vergleichbar mit Abitur. Unglaublich, oder – Sprechen ja alle amerikanisch, oder!!!. Geography ist narurlich auch kein Plicht .Deshalb sind die Amerikaner oft so weltfremd. Rebeccas Freundin sagte einmal ganz unschuldig „Ich brauche kein Reisepass. Ich Bin Amerikaner.“ Duh!! „ Aber wenn Du ins Ausland willst, brauchst Du einen,“ sagten wir. “ Ich kann aber nach New York und das ist ganz weit weg,“ sagte sie. Uns fehlten die Woerte. Daraufhin haben Rebecca und ich ein Pass fuer sie gebastelt. Mit ein Bild vom Barbie als Passbild und Stempeln von  Hollywood, Disneyland, New York, Beverly Hills und verschieden Shopping Malls, wie Laender Stempeln. Weiss nicht ob sie den Spass so ganz verstanden hat???

 Naja, da wir nicht wussten, dass man sich schon in den. Sommerferien fuer den Sport anmelden muss und auch trainieren muss, wir in Europe waren, konnte Becci der Tennismannschaft nicht beitreten. Sie hat trotzdem 3x Woche P.E (Physical Education) – womit sie und wir jetzt auch ganz froh sind. So haben wir die Wocheneden fur uns fuer Ausfluge u.s.w.    Naturlich nur wenn Marc gerade kein Baseball oder Fussball hat....... Ubrigens ist  High School Sport nicht umsonst. Aus Budget grunden zog die Stadt das Geld for Sportprogramme ab und so wird dass von den Eltern und “Fund raiser“, wie Autos waschen, Plaetzchen backen u. verkaufen, oder Schokolade und Zeitung Abos verkaufen gesammelt (die Drueckerkolonnen in Deutschland sind nichts gegen die  School Kids und ihre Muttis). Jeder Sport kostet ein paar hundert Dollar...3. Semester , 3x mal zahlen ...Meine Freundin Val aus England  hat 2 Jungs, die Fussball spielen . Teuerer Spass!. Um die kosten zu mindern, muss Val (freiwillig?)einmal im Monat ein Schicht  BINGO !! Schreck!! fuer die gambling Grannies (Omas) abarbeiten. (dazu reden uns die Ehemaenner ins Gewissen,  denken wir gehen nur shoppen, Strandspaziergaenge, radfahren, fernseh gucken und mit den Nachbarfrauen zum Sektfruehstueck zusammenkommen. Stimmt gar nicht!!! Hier ist es Mittagessen. In America gehen die Damen zum Lunch, nicht zum Fruehstuecken – too early. Und am liebsten zum Mexicaner mit Margaritas. Wir nehmen immer brav unser Coupons mit und kriegen oft halben Preis oder 2 fuer 1. Wir sparen doch......

Zu dem Bingo kommen immer Busladungen von alteren Herrschaften abends in eine Turnhalle, damit sie rauchen und trinken koennen (hier in California!!!) und dann ran ans zocken. Meistens sind sie rauh, laut, ungeduldig und schlecht gelaunt. Halten die armen Muetter  ganz schon auf Trab. Denkt an Granny Clampert von Beverly Hillbillies oder Else Kling – Lindenstrasse. Val hat am Abend davor Albtraume und Magenschmerzen.  Gott sei dank habe ich mir das bis jetzt erspart.

 

Marci  betreibt die Schule mit Minimalaufwand.  Aber das ist hier schon viel – er hat naemlich in allen Fachern  „A“ bekommen, was ich wiederum nicht verstehen kann???  Mal gespannt, ob er dass durchhaelt fuer den Rest des Jahres.

Damit beide die Deutsche Sprache nicht verlernen, haben wir sie fuer Samstags (9-12:00) bei der Deutsche Schule angemeldet.  Damit waren sie zwar am Anfang garnicht einverstanden und protestierten heftig, aber jetzt hat sich das alles gelegt und macht sogar Spass. Speziell Marc braucht es – er war so klein als wir hierher kamen.  Dafuer ist er im Sport gross dabei. Fruehjahr Baseball – sein Lieblingssport und im Herbst  Soccer (Fussball). Da wir (Sheila und ich) mittlerweile auch so einigermassen durchblicken, beim Baseball, werden die Spiele auch intersanter. Ab und zu gehen wir auch mal zu einem Ligaspiel in eines der grossen Stadien. Anaheim Angels sind Marc’s  Favoriten. Nur, das das Spiel ueber 3 Stunden dauert, mit den standigen Unterbrechungen fuer Werbung, ist schon azent.  Deswegen ist das bei den Amis immer mit Essen verbunden. Staendig laufen die Leute rein und raus und kommen mit Wagenladungen ueberteureten Hotdogs, Burgers, Popkorn oder Erdnuessen etc zurueck.  Wir haben uns sogar die „World Champignonships“  angeschaut, da die AA’s ins Endfinale gekommen(nicht 1 Spiel sondern 7) und auch gewonnen haben. Apropo World Champigonship - es spielen nur Teams aus den USA und Canada mit, aber das sehen die Amis nicht so eng. „We are the World“!!! Gibt es was anderes?

 

Gereist sind wir dieses Jahr schon ein bisschen, deswegen musste Sheila mit ihren Hawaii-Trip zum Jahresende zuruckstecken.(Ich wollte dieses staedige kochen/ essen/ trinken/ einkaufen und auf Party gehen aus dem Weg gehen!!!) Wird sie mir(A) wohl fuer immer vorhalten...

 

Januar:  Big Bear – Ski laufen

Maerz:  Arizona, New Mexico, Utah  -  Viel natur, Canyons, Monument Valley (  John Wayne lasst grussen) bis zum Ski fahren in Colorado -  2200 miles mit unserem Tahoe – aber es hat sich gelohnt.

Sommer:  Deutschland, England und Wales – hat uns allen sehr gefallen. Nochmals vielen Dank an alle, bei den wir untergekommen sind und sorry and die, die wir nicht besuchen konnten – war einfach zu kurz...

Thanks Giving:  Lake Havasu und Grand Canyon mit Boot. Da die wenigsten hier in der Lage sind ein komplettes Essen zu zubereiten,  gibt es hier nicht nur Burger und Hotdogs zum mitnehmen sonden auch komplette Festtagsmenue, fertig gekocht, zum warmmachen. Und wer sind wir, dass wir das nicht mal versuchen.  Also haben wir fuer Thanksgiving ein 6kg Truthahn, Kartoffeln, Stuffing(Fuellung), Preiselbeen, Gemuese und Bratensosse fertig gekocht, bei Ralphs (Supermarkt) gekauft, nach Lake Havasu (Arizona)im Kuehler mitgenommen und abends in der Ferienwohnung warm gemacht und mit einem guten Saar Wein verspeist.  Feiertagsmenu fuer 8-10 Leute, schlappe  $35.00. Weinachten habe ich nachgegeben und selbst gekocht.

 

Von der Arbeit gibt es diese Jahr nichts berauschendes zu berichten –es war kein Glanzjahr.  EDS hat, wie die meistens grossen Konzerne ein derbes Absacken des Aktienpreises hinnehmen muessen, was natuerlich meine Stockoptions ziemlich wertlos macht. Wir hatten 2 Entlassungsrunden, was natuerlich schon ganz schoen aufs Gemuet schlaegt. Unsere Gruppe hatte es auch ziemlich hart getroffen, und es ist nicht immer leicht, den Rest dann zu noch mehr Arbeit zu motivieren. Speziell, die Form wie dass hier in Amerika ablauft, ist fuer die Mitarbeiter fast unmenschlich.  Du wirst praktisch an selben Tag gegangen (Id abgenommen, email addresse gesperrt, etc, Schreibtisch wird abgeraumt) und man erhaelt noch 2 Wochen Gehalt fuer unter 5 Jahren und 4 Wochen fuer mehr als 5 Jahre Betriebszugehoerigkeit.  Bei uns hat es einen Manager mit knappt 20 Jahren bei EDS erwischt. Er konnte sich noch nicht mal verabschieden.  „Hire and fire“ laesst gruessen. Naja, November und Dezember scheinen jetzt doch einen Aufwartstrend an. Hoffentlich haelt es an.

 

Nun etwas erfreuliches:  Saar Wines wurde dieses Jahr mit 2 mal Gold und einmal Silber ausgezeichnetim L.A. County Fair. Vielleicht sollte ich doch ins Weinbusiness ueberwechseln.  Der neue Wein ist schon im Fass.  Dieses Jahr gibts zur Abwechselung mal etwas anderes:  1 Fass mit Shiraz und eins mit Sangiovese (Chinati).  Wir sind schon sehr gespannt. Nur irgendwie konnen wir nicht viel davon behalten. Es weisst inzwischen jeder, das das kein Spielhaus ist im Garten ist und die Nachbarn freuen sich, dass sie nicht immer zum „Liqour Store“ fahren mussen.

 

Nun faellt mir nicht mehr allzuviel ein. Vielleicht noch eine kleine Anekotede zum Schluss. Ich(Sheila) wollte zu Christmas Eve (Heilig abend) einmal in die Cristal Cathedral (Grosse Kirche aus Glas und Metal, nur von Spenden gebaut).  Man machte hier in den local Zeitungen mit ganzseitigen Anzeigen fuer den Service (7 mal alle eineinhalb Stunden) an Heilighabend aufmerksam!!  Nun, wir wollten in die Show, err Service um 16:30, kamen aber ein paar Minuten zu spaet – fuer micht kein Problem –dacht ich. Falsch gedacht. Als wir ankamen stand schon eine Schlange von ca 200 Leuten um die Kirche. Wir stellen uns auch brav an, da wir dachten, das die 16:30 Messe noch nicht angefangen hatte. Wieder falsch – die standen schon fuer den 18:00 Service an. Hiess – wir mussten ca 1 Stunde warten, bis wir dann endlich in die Kirche kamen (haette ich auch nie im Leben dedacht, dass ich einmal 1 Stunde anstehe, um in eine Kirche zu kommen). Aber warum eigentlich nicht? Wir haben schon ueber 1 Stunde fuer Space Mountain (Disneyland) angestanden  Aber letztendlich hatte es sich gelohnt. Zwei Chore, drei Solisten, viel Weihnachtlieder (incl. Stille Nacht) und Ansprachen von unserem Presidenten, Georg W. Bush  auf Sony Grossbildschirm. Jeder hat eine Kerze bekommen (plastic, battery betrieben) und am Schluss hat es geschneit, IN die Kirche. Das ganze per TV weltweit ubertragen. Christmas auf amerikanisch!!! Aber man muss es mal mitgemacht haben.

 

So, jetzt wuenschen wir allen ein gutes Neue Jahr, viel Gesundheit und Erfolg in 2003 und Ihr wiesst ja, jeder ist herzlich willkommen in der Fieldbury Lane in Huntington Beach, California.

 

The Saar Family

 

 

Zum Schluss:

L.A. ist ja Partnerstadt mit Berlin.  Wir hatten eine Einladung von Lufthansa zum 40zig jaehrigen Bestehen der Partnerschaft. Das ganze fand in einer grossen Aula der Universitaet von L.A. statt.  Naturlich waren viele Botschafter, deutsch Schauspieler und der Burgermeister von Berlin da. Der hat sich mit seiner Rede in English nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Davon abgesehen, dass wohl jeder wusste, dass er schwul ist.  Aber nach dem Offiziellen spielte dann die Max Raabe Band  von Palast Theater in Berlin Lieder aus den 30ziger Jahren. Das war schon nicht schlecht. Hat sich gelohnt....